Von Salmon River Lake nach Pictou
- 12. Juli 2017
- 2 Min. Lesezeit
Obwohl optimal geschützt schafften es einige der Plagegeiste mich zu stecken. Büggeli überall. Gottseidank beissen die Stiche weniger als unsere Mückensticke. Auf der Karte war Melrose als grösserer Ort eingezeichnet. Hier wollte ich meine Vorräte aufstocken. Wasser ist kein Problem. Seen und Flüsse hat es ohne Ende und ich habe ein Purifikationssystem bei mir. Zur Sicherheit habe ich das Wasser noch zursätzlich abgekocht. Aber sonst hatte ich nicht allzuviel Vorräte dabei. Nach drei Kilometer realisierte ich, dass ich das IPhone nicht bei mit habe. Rucksack durchsucht, Fronttasche durchsucht. Kein Handy, also drei Kilometer zurück. Kein Handy. Als ich dann alles Gepäck ausgepackt hatte, war das IPhone

im Sack der Esswaren. Drei Kilometer wieder zurück und dann konnte ich meine Reise fortsetzen. Fahren bei voller Sonne in der Windjacke, der Kopf voll verpackt, ist nicht das lustigste auf der Welt. Ich tröstete mich, dass ab Melrose alles besser wird. Dort beginnt ja der Guysboroug Rail Trail. All meine Hoffnung ruhte auf diesem Trail.
Melrose war dann ein Ort mit zwei bewohnten Häuser. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt. Wäre hier ein Flughafen gewesen, ich sässe im Flugzeug auf dem Weg nach Hause. Flughafen gab es keinen, das Velo weitfortwerfen geht auch nicht. Dazu ist es viel zu teuer und Littering ist in Kanada verboten. In einem der Häuser waren zwei Damen im Garten. Ich habe gefragt, wo der nächste Laden sei. In New Glasgow, ca 170 km weg. Was ich denn brauche. Trinkwasser, Milch als Minimum. „Komm rein. Wir können Dir Wasser geben und wir machen dir ein anständiges Frühstück.“ Mit vollem Bauch, gefüllten Wasserflaschen, die Vorratstasche gefüllt mit Früchten sah die Welt schon wieder viel freundlicher aus. Sie haben mit erzählt, dass das ganze Gebiet immer mehr entvölkert wird. Nur noch wenige, alte Leute wohnen hier. Die Jungen sind weg.
Die Wegbeschreibung sah 580m Steigung und 520m Gefälle vor. Also wieder einmal Hügel hoch, Hügeli hinunter. Der nächste Zeltplatz oder das nächste Hotel frühestens in New Glasgow. Während ich mich geistig auf eine weiter Nacht in der Wildnis vorbereitet habe und mein Fahrrad schob und dann wieder kurz einen Hügel hinab flog, hielt ein Fahrzeug des Kanada Park Fire Department und Roy fragte, ob ich mitfahren wollte. Und wie ich wollte. Die nächsten 65km sass ich bequem im Auto und habe mich bestens mit Roy und Kenneth unterhalten. Die beiden gehörten zu den Firefighters der Region. Ich fuhr mit ihnen bis zu ihrem Stützpunkt. Ich hätte dort übernachten können, aber es war noch recht früh. Sie fuhren mit mir zu einem Punkt, wo ich Netzempfang hatte. So konnte ich mit Bruno Skypen. Sie haben mich noch mit Wasser und Gator X ausgerüstet. Vollbepackt machte ich mich dann auf die Weiterreise. Kaum zu glauben. Es ging vorwiegend bergab und ich hatte Rückenwind. Mit jedem Kilometer stieg meine Moral. In Stellarton konnte ich in einer Werkstatt auch meinen Fahrradständer wieder montieren lassen. Obwohl schon ziemlich spät fuhr ich noch bis Pictou. Der Zeltplatz war noch 10 km weg. Kaum ab dem Causeway war am ersten Kreisel ein Motel. Kurz die WetterApp gecheckt. Von 02:00 bis 05:00 war Regen vorausgesagt. Also ab ins Motel. Noch ein kurzer Besuch im Liquor Store. Was gibt es schöneres als mit einem Bier in der warmen Badewanne zu liegen und die müden Knochen zu pflegen.




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